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  • Thomas Kellerhals

NACHTARBEIT IM BÖZBERGTUNNEL – SPONTANER ARBEITSEINSATZ BEI DER SIVEX GMBH

Aktualisiert: Mai 31

Am Montag 06. April klingelte mein Telefon um 12:51 und mein Cousin Norwin Messmer war am Apparat. Er ist Teilinhaber der Eventfirma Sivex, die vom Festmaterial bis zum Catering alles liefert, was man für eine Veranstaltung benötigt. Da wegen dem Corona-Shutdown Veranstaltungsverbot herrscht, müssen sie um zu überleben, Aufträge jeglicher Art annehmen. Dazu gehört auch ein Auftrag wo in der Nacht gearbeitet werden muss. Da ein Angestellter krankheitshalber ausgefallen ist, fragte mich Norwin, ob ich Interesse habe, sein Team bei diesem Einsatz zu unterstützen. Ich war sofort einverstanden und es ging schon am selben Tag, bei noch lauen Temperaturen, um 17:10 Uhr mit dem Aufladen von Werkzeug los. Davor wurde ich mit Warnschutzkleidung ausgestattet. Ich zog vorbeugend lange Unterhosen an, damit ich in der Nacht nicht friere. Wir fuhren um 17:40 Uhr mit zwei Fahrzeugen, samt Tieflader und Kaffeemaschine, Richtung Lupfig im Kanton Aargau los. Wir trafen uns mit dem Auftraggeber zur Vorbesprechung des nächtlichen Einsatzes auf einem Parkplatz im Industriegebiet.

Ich auf der Hebebühne auf rund 4m Höhe

Als wir vorfuhren, inspizierten wir als erstes die zehn Paletten mit dem Material für die Montagearbeiten. Des Weiteren stand noch ein Baustellenaufenthalts- und ein Materialcontainer auf dem Platz. Die Besprechung begann mit einer obligatorischen Sicherheitsunterweisung zum Verhalten im Notfall im Bözbergtunnel. Die Teilnahme musste mit einer Unterschrift festgehalten werden. Norwin musste seine Arbeitshosen wechseln, da sie nicht der Klasse 3 (hochsichtbare Warnbekleidung mit 0,80 m² fluoridierendem Material) entsprachen. Ebenfalls ist das Tragen von Arbeitshelmen Pflicht. Die Evakuation der Personen im Tunnel geschieht über eine App. Das System ist aber erst ab Mittwoch einsatzbereit. Ich grinste breit zu Norwin rüber.

Danach haben wir die Montagearbeit in der Theorie angeschaut. Es ging darum, im Tunnel an der Decke Elektrotrasses zu montieren. Darauf liegen später die Elektrokabel für die neue LED-Deckenbeleuchtung. Das neue Trasse wird 60 cm neben das bestehende montiert. Die Kabelrinnen sind 3 Meter lang und sehr scharfkantig. Ich habe bereits beim Einladen meinen Daumen leicht verletzt. Das war jedoch nicht weiter schlimm. Die Trasses werden mit Deckenhalter, bestehend aus Hängestiel und Ausleger, mit Schrauben und Muttern befestigt. Für die Halter müssen zwei Löcher in die Betondecke gebohrt werden, um sie auf Höhe der bestehenden Halter montieren zu können. Ich dachte mir, dass das Bohren das Anstrengendste wird. Es war jedoch das Reinschlagen der Ankerbolze (Durchmesser 10mm) mit dem Hammer. Dies war aber nur der Fall, da wir einen extrem praktischen Überkopfbohrständer für den Bohrhammer hatten.

Einfahrt zum abgesperrten und 3,7 Kilometer langen Bözbergtunnel.

Die Arbeitsfahrzeuge können sich jeweils ab 19:30 Uhr vor dem Tunnel «Habsburg» einreihen. Ab dort beginnt die einseitige Autobahnsperrung. Wir konnten um punkt 20:00 Uhr in den Tunnel einfahren. Nach zwei etwas kürzeren Tunnels gelangten wir in den Bözbergtunnel. Die Fahrzeuge werden jeweils auf der rechten Fahrbahn abgestellt, damit links noch andere Fahrzeuge durchfahren konnten. Unsere zwei gemieteten Hebebühnen wurden von einem LKW abgeladen und wir schauten uns schon etwas im Tunnel um. Als ich an die Decke schaute bemerkte ich, dass das neue Trasse unmöglich nur 60 cm neben dem bestehenden Trasse montiert werden kann, weil uns dort die bestehenden Deckenlampen in den Weg kommen. Ich sprach Norwin darauf an und er meinte nur lachend: «Zum Glück schauen wir es noch mit dem Auftraggeber an». Meine Vermutung trat dann auch ein und wir mussten das Trasse anstatt den geplanten 60 cm um 70 cm vom Bestehenden weg montieren. Der Auftraggeber hat sich sehr geärgert, da es vorher gefühlte hundert Mal kontrolliert wurde. Wir haben uns aus Holz ein Distanzstück gezimmert, damit wir beim Einzeichnen der Löcher für die Deckenhalter effizienter waren. Das Arbeiten auf der Hebebühne war sehr staubig und laut. Ein Generator lieferte uns den Strom für die Bohrmaschine und die Scheinwerfer.Je nachdem wie der Durchzug im Tunnel war, hatte man immer den Benzingeruch vom Generator in der Nase. Da ich ein paar Mal den Kopf irgend an einem Halter oder an einer Lampe anschlug, war ich sehr froh um meinen Schutzhelm. Ich war zusammen mit meinem Cousin auf der Hebebühne und wir harmonierten ausgezeichnet. Mit der Zeit wurden wir immer effizienter und teilten die Arbeit perfekt auf. Insgesamt waren wir zu viert von der Firma Sivex im Tunnel am Arbeiten. Jedes Zweierteam hatte seine eigene Hebebühne. Die hatte bei uns einmal gestreikt und wir mussten den Nothebel betätigen, um sie wieder nach unten lassen zu können. Ansonsten verlief die komplette Schicht reibungslos und ohne Zwischenfälle.

Die für die Montagearbeit benötigte Hebebühne.

Es hat mir sehr Spass gemacht und ich hatte nicht sonderliche Probleme mit der Nachtarbeit. Um 03:30 Uhr machten wir uns ans Aufräumen, da der Tunnel um Punkt 05:00 Uhr wieder für den Strassenverkehr freigegeben wird. Um 06:00 Uhr konnte ich nach dem Duschen müde und zufrieden ins Bett schlüpfen. Der Arbeitseinsatz der Firma Sivex dauert noch ganze zwei Monate und umfasst noch zwei weitere Tunnel auf der Autobahn A3.

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